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S C H W Y Z E R O E R G E L I  -  N O T A T I O N
 


Während eines Treffens der CH-EM (Schweizerische Gesellschaft für Ethnomusikologie) 2006 in Altdorf kam ein 'folgenschwerer' Kontakt mit Reto Grab vom Örgeli-Studio Schwyz zustande. Er gab dort einen kurzen Einblick in die Kunst des Schwyzerörgeli-Spiels. Wir hatten uns in einer Pause etwas über Notation unterhalten, wobei er sich zu den Schwierigkeiten äusserte, die Schüler damit hätten.

"Schick' mir doch einmal ein paar Beispiele, ich schaue mir das mal an ..." - dann kamen Beispiele, ich begann, mich in die Problematik zu vertiefen, machte Vorschläge bezüglich Vereinfachung/Standardisierung/Darstellung etc. etc., wir diskutierten teils stundenlang die Zwischenergebnisse am Telefon, dann mussten die Erkenntnisse umgesetzt und ins bereits bestehende DOS-Notationsprogramm 'RHYTHMICS' eingebaut werden. Reto Grab hat die 'Rhythmics Ziffernschrift' mit neuen, aber auch mit sogenannten 'Problem'-Schülern ausprobiert und hat dabei nur gute Erfahrungen gemacht. Nach 2 Jahren sind wir soweit, das System zu veröffentlichen - erste Beispiele hier als sogenannte 'screen shots' oder 'Bildschirmfotos'.

Eine Druckversion auszuarbeiten, wird ein weiterer Schritt sein - könnte sich aber auch erübrigen, wenn das System in das in verschiedener Hinsicht zeitgemässere, und vor allem auch plattformübergreifende spezifische Notationsprogramm 'Oergeli-Stubete' von Remo Leber intergriert sein wird.

'RHYTHMICS' basiert generell auf der Idee eines Zeit-Strahls, der in Beats mit immer gleichem Abstand eingeteilt ist. Tonereignisse werden grafisch so dargestellt, dass sie rhythmisch klar, schnell und eindeutig lesbar sind: entweder direkt auf dem Beatstrich, oder auf einem der Pulse, welche den Raum zum nächsten Beat wiederum in gleiche Abstände unterteilen.

'ZIFFERNSCHRIFT' ist die Adaptation der Notationssymbole für Schwyzerörgeli: schnell und eindeutig erfassbare Ziffern - falls nötig mit einem Zusatzsymbol, das die Reihenzuordnung klärt (innen = Ziffer überstrichen, aussen = Ziffer unterstrichen).

Tönt natürlich so zusammengefasst etwas kompliziert und wird deshalb auch weiter unten ausführlich erklärt. Aber nun erst mal:   e i n e s   n a c h   d e m   a n d e r n   . . .

Schwyzerörgeli-Notation(en) - Was es schon gibt:

Griffschrift

Bekannteste - und am weitesten verbreitete und angewandte Notationsart ist die sogenannte 'Griffschrift' - sieht aus wie Noten - ist es aber nicht: d.h. 5-Notenlinien-System mit Notenköpfen, Notenhälsen und Fähnchen - genau gleich wie Noten eben - nur meint die Lage eines Notenkopfes im System nicht die Tonhöhe, sondern einen bestimmten Knopf (oder Griff) auf der sogenannten Diskant- oder Melodie-Seite, welche mit der rechten Hand gespielt wird.

Es gibt nun Notenköpfe, die auf einer Notenlinie (oder Hilfslinie) - und solche, die zwischen 2 Notenlinien (oder Hilfslinien) stehen.
Dem oder der Spielenden stehen allerdings 3 Knopf-Reihen zur Verfügung: die mittlere oder 2.Reihe - in der Griffschrift die Notenköpfe auf den Notenlinien - sowie die äussere/1.Reihe und die innere/3.Reihe: die Notenköpfe zwischen 2 Linien. Um hier trotz gleicher Position im System die entsprechenden Knöpfe unterscheiden zu können, wird zur Identifizierung der innern Reihe dem Notenkopf ein x vorangestellt - d.h. ein 'Kreuz': ausschliesslich daher die Bezeichnung Kreuzreihe für die innere Reihe, mit # hat das gar nichts zu tun. Übrigens: natürlich keine Bs oder Kreuze und kein Schlüssel.

Die Griffschrift bildet von unten nach oben die 3 Reihen der rechten Hand ab, allerdings scheinbar um 180° gedreht - denn die Knöpfe in Kopfnähe sind im 'Notenbild' unten, die Knöpfe in der Nähe des Knies im 'Notenbild' oben. Infolge der geschichtlichen Entwicklung des Instruments bis zum heutigen 31-Knöpfe - Standard-Oergeli bedeutet eine tiefere/höhere Lage im System aber nicht zwangsläufig auch einen tieferen resp. höheren Ton! Grund 1 für die Idee der Griffschrift - eigentlich eine Art Tabulatur:
Die 3 Knopfreihen werden so auf das 5-Notenlinien-System übertragen, dass sie möglichst gleichmässig verteilt sind: der zentrale Knopf der mittleren Reihe mit 11 Knöpfen (also Knopf 6 - meistens etwas gerippt) kommt auf die 3. Notenlinie zu liegen. Von dort aus geht es in Richtung Knie - resp. im System auf höher liegenden Linien und Hilfslinien - bis zum 11. Knopf, der dann mit einem Notenkopf auf der 3. oberen Hilfslinie repräsentiert wird. Umgekehrt geht es Richtung Kopf - resp. im System auf tiefer liegenden Linien und Hilfslinien - bis zum 1. Knopf, dargestellt als Notenkopf auf der unteren 3. Hilfslinie. Die äussere und innere Reihe mit je 10 Knöpfen sind zur mittleren Reihe um einen halben Knopfabstand Richtung Knie versetzt. In der Notation ist der jeweils erste Knopf also unterhalb der 2. unteren Hilfslinie, der jeweils 10. Knopf oberhalb der oberen 2. Hilfslinie. Mit der Zeit sieht man die Grifforte und -bilder so recht gut. Die meisten Griffschrift-Leser gehen vom (rauhen) 6 Knopf der mittleren Reihe aus und denken nach 'oben' - Richtung Knie - und nach 'unten' - näher zum Kopf. Die Handbewegung ist mit derjenigen auf einem Klavier vergleichbar: 'höher' gleich weiter nach rechts resp. in Richtung des kleinen Fingers - alles also nur eine Frage der Perspektive ...
Ein nicht unwesentlicher Nachteil der Griffschrift ist allerdings, dass sie im Erscheinungsbild normaler Notenschrift so ähnlich ist. Wahrscheinlich haben aber vor allem Nicht-Notenleser damit am wenigsten Mühe (was bleibt ist jedoch die Schwierigkeit, auch die Rhythmik auf einfache Weise und sicher lesbar zu machen, weil die Griffschrift diesbezüglich mit Noten identisch ist - dazu aber später).

Sicher wäre es eine Möglichkeit, wenigstens andere Notenköpfe zu verwenden (z.B. runde, in Anlehnung an die Knöpfe) - hätte den Vorteil, dass man auf einen einzigen Blick Griffschrift von Notenschrift unterscheiden könnte, und die Umstellung, welche Notenleser 'im Kopf' machen müssen, fiele ebenfalls weg. Nachteil: nur wenige Computer-Notationsprogramme stellen brauchbare alternative Notenköpfe zur Verfügung - und wenn schon, dann müsste man sich auf einen bestimmten Typ einigen können. Zudem gibt es schon sehr viel 'Noten'-Material in Griffschrift. Daran etwas zu ändern, würde deshalb relativ wenig Sinn machen. [Bild]
Es ist übrigens eine typische Eigenart der Griffschrift, dass bestimmte Griffe - im Sinne von Knopf-Kombinationen - Notenköpfe am gleichen Ort oder z.B. auf einer Notenlinie plus gerade im Zwischenraum darüber ergäben - im 'Notenbild' führt das zu den 'zusammengeklebten' Notenhaufen, wie sie in der klassischen Notenschrift nur bei disharmonischen Akkorden vorkommen. [Bild]
Beispiel 1: stossen - mittlere Reihe, (vom Kopf her gezählt:) Knöpfe 5 und 6, plus innere Reihe, Knopf 6, also: [s-m5/6+i6] sieht im Notenbild aus wie g'/h'/xc'', allerdings in der Reihenfolge xc'', dann (an den gleichen nach oben gerichteten Notenhals) aber rechtsversetzt: h' und darunter g'. Von unten nach oben entspricht dies in klassischen Noten a'/c''/eb'' (klingend mit C-Oergeli!).
Beispiel 2: ziehen - innere Reihe 4, plus äussere Reihe 4 [z-i4+a4] sieht aus wie xf' plus rechtsversetztes f'. Entspricht in umgekehrter Reihenfolge f'/ab' (in Notenschrift und klingend mit C-Oergeli - tönt aber auf einem B-Oergeli eb'/gb' ... - auch dazu später mehr).

Es kommt nun noch erschwerend dazu - Grund 2 für die Idee einer Tabulatur - dass mit dem gleichen Knopf beim Ziehen resp. Stossen ('Balg') ein anderer Ton erzeugt wird. In der Fachsprache nennt sich das Wechseltönigkeit *.
Ausnahmen: mittlere Reihe / Knopf 1 [m1], sowie innere Reihe / Knöpfe 2 und 9 [i2/9].
Trotzdem können die meisten Töne sowohl beim Stossen als auch beim Ziehen gespielt werden - einfach mit je verschiedenen Knöpfen (und das macht's ja nicht gerade einfacher ...)! Umgekehrt gibt es ein paar 'Noten', die wirklich nur beim Stossen, oder nur beim Ziehen wiedergegeben werden können.
Bewährt hat sich offensichtlich eine dicke schwarze Linie unterhalb des Notenlinien-Systems - bedeutet: in diesem Teil den Balg zusammenstossen (oder eben kurz 'stossen' genannt) - alles andere ist gezogen (oder kurz 'ziehen') - Abkürzungen: s und z.

* 'wechseltönig' bedeutet: mit dem gleichen Knopf wird beim Ziehen und Stossen (z.T. wird dafür Zug und Druck verwendet) je ein anderer Ton erzeugt: das Prinzip kennt jedermann von der Mundharmonika - beim Ausblasen der Luft entsteht ein anderer Ton als bei Einsaugen. Ist das nicht der Fall, spricht man von 'gleichtönig': die oben erwähnten 3 Ausnahmen auf der Melodieseite, aber auch alle Bassknöpfe.
Randbemerkung dazu - da auf vielen Webseiten falsche Gleichsetzungen gemacht werden: wechseltönig heisst aber nicht 'diatonisch' (nämlich: tonartabhängig Do Re Mi Fa Sol La Ti do), und gleichtönig heisst nicht chromatisch (nämlich: eine Tonreihe mit sämtlichen Halbtönen Do Ru Re Mu Mi Fa Fi Sol Lu La Tu Ti do). Aber tatsächlich gibt es das gleichtönige (und zudem) chromatische Instrument: das Akkordeon. Deshalb ist das Schwyzerörgeli kein Akkordeon, denn es ist grösstenteils ein wechseltöniges (und zudem) diatonisches Instrument. Wenn man Fremdwörter verwenden will, dann wäre für gleichtönig 'unisonar' und für wechseltönig 'bisonar' am Platz.

 
  Alle hier gezeigten Abbildungen sind sogenannte 'screen shots' ('Bildschirmfotos').
Eventuelle Unschärfen und Unregelmässigkeiten sind nur Darstellungsprobleme auf Grund verschiedener Auflösungen.
Bilder können mit 'Rechtsklicken / Grafik anzeigen' vergrössert oder auch gespeichert und ausgedruckt werden.

Notation

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Klassisch

Die klassische Notenschrift im Violin-Schlüssel findet ebenfalls Verwendung - und wird von versierten Spielern gerne als bestes System, da in der Musik allgemein gebräuchlich - gepriesen und auch von deren Schülern und Schülerinnen zu erlernen erwartet. Sicher ist es ein Vorteil, dass man die Melodielinie klar erkennen kann - mit der zusätzlichen Markierung der gestossenen Teile wäre auch ein grosser Teil der Noten eindeutig einem bestimmten Knopf zugeordnet - aber eben nicht in jedem Fall. Man muss also sowohl die Tonbelegung der Knöpfe beim Ziehen resp. Stossen auswendig lernen (d.h. automatisieren), sondern auch noch mitberücksichtigen, dass es sowohl je beim Stossen wie beim Ziehen identische Noten gibt, die aber an verschiedenen Orten gespielt werden können, da sie doppelt vorhanden sind (s-m3/6/9 = s-a3/6/9 und z-m6 = z-a7).

In einer brauchbaren Oergeli-Notation in klassischer Notenschrift sollten zusätzlich auch die Phasen des Stossens - wenigstens als Vorschlag - markiert sein. Es ist aber durchaus üblich, diese Zusatzangaben wegzulassen und damit die Balgtechnik - wann stossen, wann ziehen? - gänzlich dem oder der Spielenden selbst zu überlassen. Wirklich Geübte haben damit wenig bis keine Probleme, alle andern beissen sich daran die Zähne aus ...

Leider ist aber die notierte Zuordnung von gestossenen resp. gezogenen Teilen nicht immer sinnvoll - ich habe jetzt mehrere Male erlebt, dass ein 'Profi' den Balg anders einsetzt, als vom Komponisten selbst vorgesehen. Entweder weil der Komponist offensichtlich kein Profi war, und/oder weil er gewissen technischen Schwierigkeiten und Rafinessen aus dem Weg ging oder Kompromisse machte, damit auch weniger versierte Spieler und Spielerinnen keine Probleme mit langen Phasen des Ziehens oder Stossens bekamen (man muss da oft zusätzlich noch eine Luftklappe bedienen, nur steht das nirgends in der Notation - Zitat: "das macht man dann automatisch" ...).
Wahrscheinlich wäre es ein Job für sich - und würde teilweise sogar die Zusammenarbeit meherer Experten verlangen - die bestehende Oergeli-Notenliteratur in Bezug auf Balgtechnik/(-Fehler) zu durchforsten ... aber anscheinend macht das auch jeder Experte wieder anders.

Marcel Oetiker, einer der virtuosesten Schwyzerörgelispieler der 'neuen' Generation , schreibt in einem interessanten Feedback Folgendes zu diesem Thema:

"Vorab: ich arbeite prinzipiell nur mit dem offiziellen Notensystem; G-Schlüssel für Diskant, Bezifferung (evtl. F-Schlüssel) für Bassseite. Der Grund ist einfach: Kompatibilität, Flexibilität, und Bewährung (auch ausserhalb der Schwyzerörgeli). Für die meisten Stücke gibt es unterschiedliche Lösungen für Balgführung, Zwillingstöne, Bass-Spiel (, ...). Doch bei den fixen Systemen (Zahlen, Griffschrift, Tabulatur) muss man sich für eine Lösung entscheiden. Beim offiziellen Notensystem ist beides möglich: offenlassen wie auch definitiv angegeben; das Notenbild ändert nicht, es bleibt durchwegs gleich.

Für die offene Lösung (d.h. ohne Balgwechselangabe) sprechen Interpretationsfreiheit, gewollt andere Stilistiken, Variationen, Kompensationen etc., für die definitive Balgführung vor allem Stilistik/Authentizität: denn wenn etwas schwieriger oder einfacher zu spielen ist, muss das nicht immer etwas mit Profi oder Nicht-Profi zu tun haben. Ich habe einige Stücke geschrieben, in welchen der Balg an Stellen wechselt, wo man bequemerweise nicht wechseln würde. Das ist keine Schikane, sondern ein gewolltes Stilmittel, denn mit einem Balgwechsel erfolgt auch eine andere Phrasierung (mikro-rhythmisch). Inspiriert von alten Schwyzerörgeli-Aufnahmen (ab 1900), die u.a. genau das auszeichnet (ob bewusst oder unbewusst ist in einem interpretatorischen Kontext irrelevant). Um es zu zementieren: spielt man irische Volksmusik auf der diatonischen Handorgel 'bequem' - also ohne diese mühsamen Balgwechsel an den unmöglichsten Stellen - ist die Authentizität dahin ...

Es gibt noch einen anderen ganz wichtigen Punkt: Viele Systeme existieren nur aufgrund (auto)didaktischer Ansprüche, sind und bleiben aber eine Fremdsprache für andere Instrumente (in ihrer Diversität sogar untereinander)."

Nun etwas ganz Wichtiges:
Es ist Usanz, dass man Noten so schreibt, wie sie auf einem C-Oergeli klingen - oder klingen würden. Was heisst das? - Für ein Schwyzerörgeli, dessen zentraler 6. Knopf der mittleren Reihe beim Stossen ein sogenanntes zweigestrichenes C (c") ertönen lässt ... wird im Notenbild mit Violin-Schlüssel auch ein c" geschrieben (Notenkopf im 3. Zwischenraum). Das eingestrichene C (c') ertönt in der gleichen Reihe mit dem 3. Knopf, es ist das C auf der 1. Hilfslinie unterhalb des 5-Notenlinien-Systems und entspricht auf dem Klavier dem sogenannten Schlüssel-C - dem C also, das beim traditionellen Klavier oder Flügel beim Schlüsselloch zum Abschliessen der Klappe liegt.
C-Oergeli werden nun aber eher selten gespielt, sogenannte A-Oergeli oder gar H-Oergeli etc. ("Äs git alles!") noch weniger - Standard ist jedenfalls das B-Oergeli: mit dem 6. Knopf der mittleren Reihe wird beim Stossen also ein B (b') erzeugt, man liest das aber in der Notenschrift als c" [s-m3+a3/m6+a6/m9+a9, sowie z-m2/i6/i8 = c'/c''/c''' oder mit den entsprechenden Zahlen, welche die Striche ersetzen und klarer sind: c1/c2/c3]. In der Fachsprache heisst das: "klingend mit C-Oergeli" - jedenfalls sorgt das schon da und dort für Verwirrung - und führt z.B. zu Falschbezeichnungen von Knöpfen oder gar Noten.
Konsequent wäre jetzt doch eigentlich, die Bassangaben für die linke Hand ebenfalls 'klingend mit C-Oergeli' zu machen - nicht? Ist zwar bei den einschlägigen Musikverlagen der Fall - man kann aber durchaus Noten zu Gesicht bekommen, unter welchen die Bassangaben für ein B-Oergeli gemeint sind - oft sogar, ohne dass irgendwo darauf aufmerksam gemacht würde.
Es kursieren verschiedene Abbildungen der Melodiereihen: die einen sind mit Buchstaben-Knopfbezeichnungen für ein C-Oergeli, andere für ein B-Oergeli versehen (und sicher gibt es auch solche für A- oder H-Oergeli etc.). Meistens werden nur Grossbuchstaben verwendet, ein paar wenige verwenden die richtigeren Kleinbuchstaben, ev. 'sogar' mit einem Zusatz für die Einordnung in die verschiedenen Oktaven (was eigentlich unerlässlich ist!).
In Notationen mit Griffschrift ist es wenigstens traditionell üblich, die Bässe mit einer Zahl in der Reihenfolge Knie zu Kopf zu bezeichnen - das ist denn auch - wie die Griffschrift selbst - neutral und für alle Oergelitypen passend. Aber nicht wenige Gruppen - die durchgängig auf B-Instrumenten spielen - verwenden leider Griffschriftnotationen, in welchen die Bässe mit Buchstaben eingetragen sind, wie sie tatsächlich auf dem B-Instrument tönen: also 'klingend mit B-Oergeli'. Zusätzlich stützen sie sich auf Grifftabellen für die Melodieseite, die ebenfalls die Knöpfe mit den absoluten Tönen bezeichnen. Dies trägt viel zur aktuellen Verwirrung bei ('Salat' wäre umgangssprachlich ganz angebracht ..)!
Immerhin ist all diesen Abbildungen gemeinsam, die Halbtönebezeichnungen durchgehend mit Buchstabe plus Tonerniedrigungszeichen [b] zu schreiben. So werden auch auf der Bass-Seite die Knöpfe wo nötig nur in b-Variante beschriftet: Gb (nicht F#), Db (nicht C#) - Ab (nicht G#) und Eb (nicht D#). Im Allgemeinen spielt man in B-Tonarten, und die Fälle, in denen es musiktheoretisch doch einmal ein # haben müsste, sind vernachlässigbar (die Beschäftigung mit der sogenannten 'enharmonischen Verwechslung' spielt im 'Oergeli-Alltag' eine eher untergeordnete Rolle).

Es wäre tatsächlich sinnvoll, konsequent nur Knopfreihen-Abbildungen für C-Oergeli zu verwenden (eventuelle andere nur als Hilfstabellen zu betrachten) - entsprechend die Knöpfe in jeder Oergeli-Stimmung identisch zu benennen - sich aber immer bewusst zu sein, dass alles ausser einem C-Oergeli ein transponierendes Instrument ist (so wie verschiedene Blasinstrumente auch). Wer z.B. ein B-Oergeli spielt weiss: eigentlich tönt bei mir alles um 1 Ganzton tiefer als ich es denke und benenne (konsequente 'klingend mit C-Oergeli'-Beschriftung von Melodie- und Bassknöpfen). Damit wäre eine Brücke geschlagen: von Noten über Griff- und Zahlenschrift bis hin zur weiter unten beschriebenen Ziffernschrift.
Allerdings: (Zitat) "In der Volksmusik ist es üblich, die klingende Tonart zu benennen" - klar: das spielt denn auch im Zusammenspiel mit andern Instrumenten eine Rolle - es ist sicher der Hauptgrund, weshalb vor allem die Bass-Seite meistens 'absolut' benannt wird. Dennoch: es trägt zur 'Allgemeinen Verunsicherung' bei - deshalb: im Titel immer deklarieren -
beispielsweise: B-Oergeli - F-Dur (Es-Dur), wobei die die erstgenannte Tonart immer die 'relative', eine Angabe in Klammern immer die 'klingende Tonart' bezeichnet (siehe auch unter 'Ziffernschrift').

Noch kurz zur Lesbarkeit von Noten auf oder zwischen Hilfslinien oberhalb und unterhalb des 5-Notenlinien- Systems:
Bei der Griffschrift kann man sich die die möglichen Notenköpfe auf den Hilfslinien gut merken: unterhalb des Systems sind es die 3 ersten Knöpfe, oberhalb die 3 letzten der mittleren Reihe. Die restlichen 5 Knöpfe entsprechen den Noten auf den Systemlinien 1-5, mit 3 in der Mitte. Bei der inneren und äusseren Reihe kann man sich ebenfalls die jeweils ersten und letzten 3 Knöpfe unterhalb resp. oberhalb des Systems vorstellen, die restlichen je 4 Knöpfe liegen dann in den Zwischenräumen.
Bei der klassischen Notenschrift müssen auf einem System dreieinhalb Oktaven aufgezeigt werden können - das bedeutet, der tiefste mögliche Ton (e) liegt unterhalb der 3. Hilfslinie, der höchste - (a''') - sogar oberhalb der 4. Hilfslinie. Wenn sich auch ein Grossteil der Melodien im gut lesbaren Bereich bewegt, gibt es doch Literatur mit unten möglichen 6 und oben möglichen 9 Noten, die meistens nur von sehr Geübten ohne 'Abzählen' sofort erkannt werden können. Zudem braucht es relativ viel Platz!

 
  Notation

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Was gibt es sonst noch?

System Iwan

Das 'System Iwan' (erdacht und weitervermittelt von Iwan Meier, Bennau SZ) basiert auf der relativen Dur-Tonleiter: Do-Re-Mi-Fa-Sol-La-Ti-do. Rhythmisch ebenfalls wie Noten dargestellt, aber die Notenköpfe sind durch Zahlen von 1 bis 7 (z.T. 8 für die Oktave) ersetzt - falls nötig mit nachgestelltem Plus (+) statt eines Kreuzes (#) - in einigen Fällen auch mit (schlecht lesbarem!) Minus (-) statt eines Bs (b). Stossen wird wiederum mit einer markanten dicken Linie gekennzeichnet. Der Schüler/die Schülerin muss letztlich für jede der möglichen Tonarten die unterschiedlichen Knöpfe/Griffe/Abläufe separat auswendig lernen (im Stossen und Ziehen - plus die möglichen Doppelbelegungen kennen), damit er/sie mit dieser Notation etwas anfangen kann. Es vereinfacht die Notation stark, ein Wechsel der Tonart in einem Stück (ein häufig anzutreffendes Gestaltungselement in der Schwyzerörgeli-Musik!) verändert im Prinzip das Notenbild nicht, sehr wohl aber die technische Umsetzung. 'Do' oder '1' liegt auf der ersten Linie des 5-Notenlinien-Systems, dann geht es aufwärts in der relativen diatonischen Reihe Zwischenraum - Linie - Zwischenraum etc.

Die Iwan-Notation kommt sicher der Tatsache am nächsten, dass Dur-Tonarten nur Tonhöhen-fixierte Verschiebungen ein und derselben relativen Skala sind (Do, Re, Mi etc). Für jemanden, der mit dieser Notation 'aufgewachsen' ist, dürfte ein Wechsel, oder auch die Transposition in eine andere Tonart wahrscheinlich ein Leichtes sein - und sehr wahrscheinlich war das sogar die Absicht.
Im System Iwan wird zu jedem Teil eines Stückes die entsprechende Tonart explizit angegeben - und zwar so, wie man es ausspricht: also z.B. Des, Es, As (nicht Db, Eb, Ab - gilt aber, falls nicht anders vermerkt, immer nur für B-Oergeli).

Vergleiche: Bei der Griffschrift kann man die Tonart eines Teilstückes nur aus den Bassangaben (entweder mit 1-9 oder mit Buchstaben (z.B. Db etc.) eruieren. Bei der klassischen Notenschrift kann die Tonart nur aus der Anzahl der Kreuze oder Bs herausgelesen werden, die am Anfang jedes Systems stehen (nach der üblichen Regel 'klingend mit C-Oergeli' - wäre also ein Teilstück in Db-Dur für B-Oergeli mit Noten in Eb-Dur geschrieben, also mit 3 Bs). 'Kleiner' Nebeneffekt: jemand mit einem B-Oergeli kann behaupten, dass der 5. Basston ein F sei - auch wenn eindeutig ein Eb ertönt ...

Das System Iwan hat sicher den Nachteil, dass die Zahlen relativ schlecht lesbar sind, es sei denn man vergrössere das Notensystem entsprechend. Ein Vorteil ist aber - allerdings vorausgesetzt, man hat die möglichen Tonleitern im Stossen und Ziehen mal 'im Griff' - dass man gut mit dem Wechsel in verschiedene Tonarten zurecht kommt. Den grössten Vorteil sehe ich aber darin, dass die Bassbegleitung immer in Stufen einer bestimmten Tonart angegeben wird (I / IV / V: die wichtigsten Stufen - wenn nötig aber auch die Stufen: II / III / VI / VII). Beim Lernen und Spielen wird man gezwungen, in Tonarten resp. in den entsprechenden Stufen zu denken, was fürs musikalische Verständnis ausgesprochen sinnvoll ist!

Die Grundbass-Folge auf der linken Seite in aneinander gereihten Quinten (Quinten-Zirkel!) kommt einem hier entgegen. Die Stufen findet man ganz einfach:
Ausgangpunkt ist als Beispiel: Eb - der mittlere aller 9 Bässe auf einem Standard-B-Oergeli. Eb ist hier gleichzeitig Tonart und erste Stufe [I oder 'Tonika'] dieser Tonart (traditionell mit 5 bezeichnet). Direkt darunter befindet sich die fünfte Stufe [V - im Quint-Abstand - die sogenannte 'Dominante', trad. 4 - vom Knie her gezählt!], direkt darüber ist die vierte Stufe [IV - im Quart-Abstand - die sogenannte 'Subdominante', trad. 6].
IV / I / V sind diejenigen 3 Stufen, die - wie die Tonart selbst - in Dur sind. Deshalb können hier auch die dazugehörigen Akkordbässe (etwas näher bei der Hand und etwas nach oben verschoben) einbezogen werden.
Alle andern sind Moll-Stufen - hier können nur die Grundbässe verwendet werden (die Akkordbässe sind nämlich beim Standard-Oergeli immer Dur-Akkorde). Diese Stufen sind: II gerade unter V - also die übernächste von I aus! - nochmals die übernachste = III. Von Stufe V (= übernächste von IV) ausgehend in gleicher Richtung wiederum die übernächste = VI, dann nochmals die übernächste = VII.
Zusammengefasst also:  IV - I - V - II - VI - III - VII. Im Prinzip gilt diese Reihenfolge nun für alle Tonarten - Beschränkung gibt es bei der kopfnächsten Tonart (dann fällt IV weg) unten können wenigstens die Stufen IV - I - V erst ab der zweitletzten Tonart gespielt werden.

Grifftabellen

Eine recht urtümliche Methode ist die grafische Darstellung einer Melodie in Grifftabellen-Blättern - nicht etwa zum bildlichen Einprägen von wichtigen Akkorden z.B. - denn dafür macht es sicher Sinn - nein, jede einzelne Note und jeder Akkord eines Musikstückes wird nun auf je einem ganzen Abbild der 3 Knopfreihen eingezeichnet: so hat ev. ein Takt 8 solcher Bilder, der nächste ev. nur 5 oder 3 - eigentlich einfach eine Aneinanderreihung der vorkommenden Noten resp. Knöpfe, die zu drücken sind. Anhaltspunkte zur Rhythmik ergeben sich aus den darunterstehenden Bassangaben - wenigstens wenn man weiss, dass die Begleitung z.B. 1 + 2 + etc. gemeint ist. Für ein Stück, das in Griffschrift oder Noten auf einem A4-Blatt Platz hat, braucht es immerhin 3 Blätter ... Dass diese Methode dennoch seine Anhäger/innen hat zeigt doch, dass nicht wenige mit den andern Notationssystemen 'so ihre Mühe' haben.

Tamara Balmer beschreibt auf der Homepage von Adrian Gehri in amüsanter Weise eine leicht erweiterte Methode (der Begriff 'Griffschrift' meint hier am ehesten den Vorläufer der 'modernen' Griffschrift):
"Heute ist neben dem Stegreif auch die Griffschrift vorhanden (Bild). Bei der Griffschrift handelt es sich um eine Abzeichnung der Melodieseite des Schwyzerörgelis. Man muss sich das Bild eigentlich umgedreht vorstellen, denn bei den zwei grossen Kreisen hat der Spieler sein Bein, und was hier unten ist, dort ist sein Kopf. Die Töne, welche zu drücken sind, werden ausgemalt wenn es sich um ein mehrgriffiges Stück handelt. Wenn es ein eingriffiges Stück ist werden auch oft [die entsprechenden] Zahlen [für einen Takt] in die Knöpfe der Abbildung geschrieben, das spart Platz. Der Balken unten dient zur Erkennung der Zugrichtung des Balgs. Ausgefüllt heisst den Balg stossen, leer heisst ihn ziehen. Unten kann man noch den jeweiligen Bass hinschreiben. (Der Bass ist im Quintenzirkel aufgebaut und reicht von G bis H. Die Bässe sind [alldings in Quartabständen] von 1 – 9 nummeriert, also G=1, C=2, F=3, B=4, Es=5, As=6, Des=7, Ges=8, H=9). Oben in die Kreise schreibt man den Takt hinein. Der Nachteil an diesem System ist, dass man weder Taktstriche noch Notenwerte aufzeichnen kann. Das heisst, um trotzdem ein Stück mit Griffschrift zu lernen, muss man genau wissen, wie das Stück tönt. Deshalb besitzt man oft einen Tonträger dieser Stücke. Der Vorteil ist, dass auch jemand ein Stück lernen kann, der keinen Schimmer von Notenwerten hat." 

Der Abschnitt über 'Verschiedene Lernmethoden und Notensysteme' endet mit dem Satz, der sowieso allgemeinverbindlich erklärt werden sollte ...:
"... egal welche Lernmethode man braucht, man sollte das Stück schlussendlich auswendig vortragen können!"


 
  Bild 1
zeigt die ersten 4 Takte des Stücks 'Am Chegelabig' von Peter Burger in Grifftabellen-Darstellung.  Musikverlag-Schaub (monatliche Gratis-Downloads)

Bilder 2-7:
Die gleiche Information braucht in der weiter unten ausführlicher erläuterten Ziffernschrift eine einzige Linie, das ganze Stück nur eine halbe A4-Seite.
Die weiteren Seiten zeigen jeweils das gleiche Stück in noch komprimierteren Formen. Teilweise dann nur noch auf die wesentlichen Veränderung im Ablauf reduziert. Weiter hinten mit möglichen Zusatzinformationen.

Bilder 8+9
zeigen Anfang resp. Schluss des Stückes 'Komm bald wieder' von Housi Straub in Grifftabellen-Darstellung.
Reist-Oergeli (Instrumente, Noten etc.). Hörprobe:
Kleiner Quiz: 9 - in der zweiten Reihe fehlt ein Ton - welcher? Vergleiche:

Bilder 10-14:
10 und 11: das ganze Stück ausführlich in Ziffernschrift (s. unten).
12 das ganze Stück in Ziffernschrift - aber 16 Beats pro Linie, Entfernung von Redundanzen.
13 resp. 14 zeigt jeweils die gleiche Information in möglichst komprimierter Griff- resp. Notenschrift (in Rhythmics- Darstellung!).

Vergleichen Sie durch Hin- und Herklicken z.B. Anfang und Schluss des Stückes in den verschiedenen Notationsarten. Vor allem Leute, die mit Grifftabellen lernen, werden es sehr einfach haben, auf die platzsparende Ziffernschrift umzustellen - zudem ergibt sich der zusätzliche Vorteil, dass auch die Rhythmik klar wird. An Griffschrift gewöhnte müssen nur wissen, dass der zentrale rauhe Knopf der mittleren Reihe der 6 entspricht.
Merke: innen wird überstrichen, aussen wird unterstrichen).
Notation

Bildwechsel: Am Chegelabig | 1 | | 2 | | 3 | | 4 | | 5 | | 6 | | 7 | Komm bald .. | 8 | | 9 | | 10 | | 11 | | 12 | | 13 | | 14 |
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Zahlen

Hans Martin Moser (Küssnacht am Rigi) unterrichtet mit einem Aufschreibsystem, das in Begleitung von Aufnahmen (anscheinend auch sonst viel verwendete Praxis im Unterricht) offensichtlich recht gut lesbar ist: jedem Knopf wird eine Zahl zugeordnet, angewendet auf das Standard-Oergeli wird einfach von der äussersten Reihe zur innersten durchnummeriert - macht 1-10 / 11-21 / 22-31. Und das funktioniert recht gut. Doppel- und Dreifachgriffe werden mit Zahlenkombinationen aufgeschrieben. Stossen wird unterstrichen.
Der Erfinder dieser Methode - der legendäre Rees Gwerder - verwendete (gemäss Material von Yvo Peter, einem seiner ehemaligen Schüler) im Unterricht die Zahlen 1-10 / X, 11-20 / X, X, 21-28 (angewandt auf Standard-Oergeli: -30).
Seine Enkelin, die heute auf seinem 28-Knöpfe-Oergeli (mit Eichhornstellung!) weiterspielt, machte mich darauf aufmerksam, dass (schon) Gwerder die Bässe von oben nach unten (also in Quintenfolge) nummerierte ...


 
  Beispiel Zahlen-Notation: Schwyzer Juz - trad.
Eine Übertragung von Moser/Gwerder-Notation in Ziffernschrift.

Bild 1
2. und 3. Teil der 1.Stimme. Zahlen links = Bass-Nummern (wohlgemerkt: in Quintenfolge!) / Z M R = Fingersatz / 1 2 3 sind die Zählzeiten / (3) = Anzahl Wiederholungen / Pfeil = "in der Wiederholung" / in Klammern ein Doppelgriff (darüber eine Längenangabe in Zähleinheiten). Unterstreichung = 'stossen'.

Bild 2:
Die Diskantseite des Oergelis in horizontaler Darstellung:
oberhalb der Linien die Knopfbezeichnungen mit Ziffern, unterhalb der Linien die Entsprechung in Gwerder-Zahlen. i m und a = Reihen: innen, Mitte und aussen.

Bild 3
Stimmen separat - 1.Stimme mit alternativem Fingersatz (siehe Ziffernschrift). Wiederholungen mit Gänsefüsschen markiert. Mit dem Schema in der Titelzeile wird der Ablauf des Stücks definiert: AABBCC ABBCC ABB - zum Üben reicht ABC(AB).

Bild 4:
Da in den einzelnen Teilen in der Wiederholung nur jeweils die letzten 2 Beats
anders sind, kann gut jeder Teil auf einer einzigen Linie mit Schluss 1 und
Schluss 2 notiert werden (viele Stücke sind übrigens so aufgebaut!).

Bilder 5+6:
hier sind 1. und 2. Stimme jeweils unmittelbar untereinander geschrieben -
der Bass muss dann nur 1 Mal notiert werden. Teile der 2. Stimme können teilweise ev. miteinbezogen werden.
6: horizontale Komprimierung ergibt noch mehr Klaheit - was jetzt bequem auf einer halben A5-quer Seite Platz findet, ist im Original auf 2 A4-Seiten verteilt.
Notation

Bildwechsel: Schwyzer Juz | 1 | | 2 | | 3 | | 4 | | 5 | | 6 |
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Soviel zu den bekannten - gebräuchlichen und weniger gebräuchlichen - Notationsarten.

 
 


Reto Grab vom Oergeli-Studio in Schwyz und Sylvia Bader, Leiterin der Schwyzerörgeli-Gruppe Schlieren haben mir viel Material zum 'Studieren' zur Verfügung gestellt. Daneben gibt es erstaunlich viel Informationen auf all den Webseiten, die sich direkt und indirekt mit dem Schwyzerörgeli befassen. Zusätzlich habe ich an verschiedenen einschlägigen Anlässen den Spielern und Spielerinnen genau auf die Finger geschaut.
Ich habe versucht zu verstehen, wie ein/e Oergeli-Spieler/in denkt, was das Instrument für typische Eigenheiten hat und was für offensichtliche und versteckte Vor- und Nachteile in den verschiedenen Notationsystemen liegen könnten - usw. Das hat mich auch darauf gebracht, Anforderungen an eine vereinfachte - wenn möglich auch verbesserte - Notation zusammenzutragen:

-  simpel, eindeutig, einleuchtend und platzsparend
-  dem Instrument und dem Denken der Spieler angepasst
-  niederschwellig: bekannte Symbole, gut nachvollziehbare Konventionen/Standardisierungen - nicht zuletzt auch für Kinder
-  auch mit einfachsten Mitteln aufschreibbar (so genannte 'Papierservietten-Notation')
-  klar und grafisch übersichtlich strukturiert, so dass Aufbau, Wiederholungen und Redundanzen auf einen Blick ersichtlich werden
-  mit möglichst viel hilfreicher Information versehen - auch im Sinne von musikalischem Lernen und Verstehen
-  und 'last but not least': rhythmisch schnell und richtig erfassbar - auch ohne zusätzliche Hörmittel!


Die Bezeichnung der Reihen und Knöpfe

Der scheinbar komplizierte Aufbau der Knopfreihen ist im praktischen Spielen entstanden, den Bedürfnissen der Volksmusik angepasst, 'epmirisch erprobt' und historisch gewachsen. Neben dem am meisten gespielten Standard-B-Instrument gibt es im Prinzip Kopien, die einfach überall einen Ganzton höher klingen (C-Oergeli), oder einen Halbton tiefer klingen (A-Oergeli) - plus (Einzel-)Anfertigungen mit jedem möglichen Grundton. Relativ neu sind die digitalen Modelle, die auf Knopfdruck alle möglichen Stimmungen zulassen - plus noch verschiedene Klangtypen oder gar andere Instrumente nachahmen können ... Allen gemeinsam ist jedenfalls der intervallmässig gleiche Aufbau.

Die Notenschrift versucht, dies unter einen Hut zu bringen, indem die Abmachung gilt: 'klingend mit C-Oergeli'. Je nach Tonart eines Melodieteiles (es wird ja innerhalb eines Stückes - oft auch mehrfach - die Tonart gewechselt) braucht es dann am Anfang jedes Systems entweder 2 Bs weniger oder 2 Kreuze mehr als wenn es 'klingend mit B-Oergeli' geschrieben wäre. Das kann noch nicht der wichtigste Grund für diese Konvention sein - zwar wären für B-Oergeli Noten bis hinunter zum tiefen D (d) [statt E (e)] nötig: damit würden noch mehr (schwierig lesbare) Noten unterhalb des Liniensystems zu stehen kommen: Platz- und Leseprobleme wären auch ein Grund - nein, wichtigster Grund ist, dass man (wie unter 'Klassisch' schon erwähnt) das Oergeli als ein transponierendes Instrument betrachten muss: z.B. ist also ein B-Oergeli auch als ein B-Instrument einzuordnen - in die gleiche Gruppe wie z.B. eine (B-)Trompete, eine (B-)Klarinette oder ein Sopransaxophon. Ein wichtiger Satz dazu: der Grundton eines transponierenden Instruments wird immer so notiert, als wäre es C-Dur.
Wenn mit Noten geschrieben wird, können die Bass-Angaben - immer mit Buchstaben (z.B. F, B, Eb etc.) - aber ohne weiteres für B-Oergeli gemeint sein - auch wenn teilweise nicht speziell darauf hingewiesen wird. Man muss da mindestens vorsichtig sein!

Die Griffschrift macht hier eindeutig weniger Probleme - sie sieht sowieso für alle Oergeli-Stimmungen gleich aus und macht auch die Bass-Angaben so, dass sie für alle Typen gelten: mit Zahlen von 1 bis 9, allerdings in Quartfolge von unten nach oben, d.h. vom Knie zum Kopf (darauf komme ich später noch zurück). Die Kehrseite dieser 'blossen Zahlenzuordnung': die Spieler/innen denken oft rein mechanisch und bekommen keinen Zugang zum Denken in Tonarten und Stufen. Aber das gehört - wenigstens mit der Zeit - zum 'Handwerkszeug'.

Zurück zur Melodieseite: Die Notationen mit Zahlen machen doch Vieles einfacher, aber diejenigen Systeme, die bis jetzt angewandt wurden (im Prinzip: die Knöpfe durchnummerieren), haben den Nachteil, dass sie ab 10 bis (max.) 31 zweistellig sind und nicht in einen rhythmischen Rahmen gestellt wurden. Man kann diese nur im Zusammenhang mit Zuhören-Nachspielen-Memorisieren oder mit Hörmitteln verstehen.
Die 1-31-Nummerierung erhellt zwar interessante Zusammenhänge in Diagonalen (z.B. im Stossen 24-14-4 / 27-17-7 / 30-20-10 ist immer db eb d, die Nummerierung ohne Zahl auf m1 zeigt Dach- oder A-förmige Zusammenhänge (z.B. stossen 23-13-3 / 26-16-6 / 29-19-9 tönt immer db eb b - klar! - auf dem B-Oergeli natürlich ...). Aeltere Modelle haben aber auf der inneren Reihe oft weniger als 10 Knöpfe - nur 7 bis 9 - und wenn die Nummerierung dennoch durchgängig vorgenommen wurde, dann ohne Bewusstsein von sogenannten 'Kompatibilitätsproblemen', wie man das heute nennen würde. Kommt noch dazu, dass auch bei 10 inneren Knöpfen die Tonbelegung - herstellerabhängig! - verschieden sein kann.

Auf der 'umwegigen' Suche nach DER Nummerierung habe ich keine Möglichkeit ausgelassen - ein paar Musikstücke habe ich mit viel Aufwand in verschiedenen Zahlensystemen ausgeschrieben: in vertikaler und horizontaler Anordnung, mit der Möglichkeit, bei Doppel- und Dreifachgriffen den Fingersatz ablesen zu können etc., mit der fast grafischen Darstellung der Bewegung der Finger auf den 3 Reihen - am Schluss überwogen Argumente der Einfachheit, Eindeutigkeit und schnellen Lesbarkeit: das Resultat (aber wenigstens wissen wir jetzt auch warum) sieht völlig simpel aus: nur einstellige Zahlen, keine O-Position, keine Zusatzzeichen wie Minus oder Plus, x oder Ähnliches:

 
 

Die Ziffernschrift

Ziffern statt Zahlen oder Nummern!
(Definition nach Duden: Ziffer, die; -, Ziffer -n: schriftliches Zeichen für eine Zahl: die Zahl 52 hat zwei Ziffern; die Summe in Worten und Ziffern eintragen. Syn.: Zahl.)

Die Darstellung der Melodie-Seite wird im direkten Vergleich mit der Griffschrift von vertikal auf horizontal, d.h. um 90° nach rechts gekippt. Man schaut auf die Reihen aus der 'Sichtweise' der rechten Hand ('Daumen links').
Falls nebst den Knopfziffern zusätzliche Tonhöhenangaben erwünscht sind, sollten grundsätzlich die 'relativen' [rel.] Bezeichnungen verwendet werden - wenn dennoch die 'klingenden' Bezeichnungen verwendet werden, müssen diese mit 'absolut' [abs.] ausdrücklich deklariert oder wenigstens in runde Klammern gesetzt werden.
Entsprechend dem Melodieteil-Tonbereich innerhalb der 4 Oktaven c / c' / c'' und c''' werden zur Tonbezeichnung nur Kleinbuchstaben verwendet - die 'Striche' zur Identifizierung der Oktave werden durch 0 / 1 / 2 und 3 ersetzt (Schnittpunkt ist jeweils ein c). Grossbuchstaben sind für Tonartangaben, ausgeschriebene Stufenbezeichnungen, Grundbässe und Akkorde reserviert.

Die Melodie-Reihen werden nur noch mit a (aussen - ä für äussere Reihe ist zu umständlich), m (Mitte) und i (innen) bezeichnet, nicht mit 1-2-3 oder 1./2./3. - denkt man wie man's sieht, könnte dies auch i/m/a bedeuten, man müsste also eigentlich 3/2/1 schreiben. Römische Zahlen sind für Tonart-Stufen reserviert!

Die Reihen werden je separat durchnummeriert resp. mit Ziffern versehen: ( a ) 1-10 / ( m ) 1-11 / ( i ) 1-10 - vom Kopf zum Knie.
10 wird durch die 0 repräsentiert, 11 wird ganz einfach ausgeschrieben, aber eng.
Wichtig: Zur Unterscheidung der Reihen werden die Ziffern der äusseren Reihe unter-, diejenigen der inneren Reihe überstrichen - Ziffern der mittleren Reihe: neutral.

2er- und 3er-Griffe werden in zwei- und dreistelligen Zahlen dargestellt - die Reihenfolge der darin enthaltenen Ziffern ist immer aufsteigend! - bei sich folgenden gleichen Ziffern gilt die Reihenfolge: m - a - i (d.h. Mitte-aussen-innen).
Falls die Ziffer für den melodietragenden Knopf nicht die letzte der Kombination sein sollte, kann sie mit einem darüberliegenden Stern (*) markiert werden. 'Einen einzelnen Ton über ihm folgende hinaus parallel länger aushalten' wird mit einem Tildezeichen angezeigt (~).

Eventuell erwünschte Fingertechnik kann mit kleineren Zahlen von 2 bis 5 (Zeigefinger bis kleiner Finger) darüber geschrieben werden - kompatibel zu Akkordeon, Klavier etc., obwohl der Daumen [1] beim Schwyzerörgeli nicht eingesetzt wird (andere Bezeichnungsarten wie Z[eigefinger] / M[ittelfinger] / R[ingfinger] / K[leiner Finger] oder die englischen Entsprechung i[ndex] / m[iddle finger] / r[ing finger] / s[mall finger] können zu oft zu Verwechslungen führen).
Alternativ zu Zahlen können auch die folgenden Zeichen verwendet werden: [ ' ] für Zeigefinger, [ " ] für den Mittelfinger, [ ° ] für Ringfinger und [ . ] für den kleinen Finger.

Die Ziffern folgen sich horizontal auf einem Zeitstrahl, der in Beats und unterteilende Pulse eingeteilt ist.

Ziffern der gleichen Reihe sowie alle Kombinationen, die sich unmittelbar wiederholen, werden mit einem grossen Punkt als Redundanz-Zeichen in rhythmisch richtiger Position dargestellt.

3er-Griffe mit sich unmittelbar folgenden Ziffern auf einer einzigen Reihe (z.B. 456) können auf die erste Ziffer mit nachstehendem Ausrufezeichen [ ! ] reduziert werden (456 = 4!, oder 456 = 4!).
Wiederholungen von Teil- oder ganzen Abschnitten werden nach Möglichkeit so untereinander dargestellt, dass sie unmittelbar ersichtlich sind - identische Teile können dann auch mit 'Gänsefüsschen' ersetzt werden.

Die einzelnen Teile werden mit Buchstaben versehen (A, B, C etc.), nötigenfalls mit Zusätzen: z.B. A1, A2 oder gar A2a, A2b
In der Titelzeile wird immer das Schema des Stückes [(Intro) AA BB A CC (Schluss) z.B], d.h. sein Aufbau mit der Anzahl der Wiederholungen etc. angegeben.

Die Titelzeile enthält - neben dem Namen des Stücks - den Namen des Autors u/o Arrangeurs und ev. eine Jahreszahl.

Ebenfalls immer in der Titelzeile: der Rhythmus resp. die Art des Tanzes (Polka, Schottisch, Ländler, Walzer etc.), und die Angabe der Spielgeschwindigkeit in Anzahl Beats pro Minute (BpM) - Achtung: hat nicht unbedingt etwas mit den sogenannten Viertelnoten zu tun!
Auflistung von allen im Stück verwendeten Tonarten (und Angabe der Tonart bei jedem Teilstück). Es ist in der Volksmusik üblich, die klingende, d.h. die absolute Tonart anzugeben - die relative Tonart, wie sie mit Noten verwendet würde, sollte deshalb (falls überhaupt gewünscht) ausdrücklich deklariert sein: mit dem vorangehenden Kürzel 'rel.' oder in eckigen Klammern (d.h. 'klingend für C-Oergeli'), in runden Klammern immer die 'klingende Tonart' für den deklarierten Oergeli-Typ (im Normalfall für B-Oergeli).

Innerhalb der Teile: Angabe des Basses mit einer Zahl von 1-9 [Standard-Oergeli, aber erweiterbar bis 12] und zwar vom Kopf zum Knie in aufeinanderfolgenden Quinten (6 = Stimmung des Instruments)! Wenn Platz vorhanden, folgt in runden Klammern die 'klingende' Bezeichnung der Stufe für ein B-Oergeli (es sei denn, dass eine Partitur ausdrücklich für eine andere Stimmung geschrieben ist), danach die entsprechende Stufennummer mit der dafür üblichen römischen Zahl.
Eine solche Bassangabe impliziert die konsequente Wiederholung eines einfachen Abwechslungsmusters zwischen Grund- [ . ] und Akkordbass [ ' ] - es kann am Anfang 1x aufgezeigt werden (Ausnahmen werden am besten mit vorangesetzter Zahl definiert). Das Ausrufezeichen [ ! ] - die Kombination von Punkt und Apostroph - steht hier für das gleichzeitige Drücken von Grund- und Akkordbass.
Auch sogenannte Wechselbässe - eine schwierigere Variante der Bassbegleitung, bei der meistens auch die Quinte des Akkordes als wechselnder Grundbass einbezogen wird - müssen nicht unbedingt ausgeschrieben werden, es setzt aber voraus, dass die Regeln entweder definiert oder aber deren Anwendungskenntnisse vorausgesetzt werden können.

Um Verwirrungen zu vermeiden, werden nur die erniedrigten Bezeichnungen: Gb, Db, Ab und Eb verwendet - also keine Bezeichnungen mit Kreuzen (#), und - ausser vielleicht in allgemeinen Tonart-Angaben (weil es eben Tradition ist) - auch nicht z.B. 'Ges' denn das ist nur die Aussprache! von Gb). H und B (statt wie international üblich B und Bb) muss man belassen - auch wenn immer mehr Japaner, die Schwyzerörgeli lernen wollen, damit Probleme haben ...  ¦-)

...
versch. Hersteller / Eichhornstellung / Komb.: Reihenfolge-Fingertechnik / Komb. von Ziffernschrift und Buchstaben-Notation (oder Umschaltmöglichkeit) / Fixe Taktlängen, Taktanzahl pro Linie / Rhythmik und regelm. Beats / Abbildungen von Originalnoten


 
  Ein einfaches Beispiel: Walzer - trad.
Ein direkter Vergleich von Ziffern-, Griff- und Notenschrift (Adaptationen)

Bild 1, 4 resp. 7
zeigt je die gleiche einfache Version des Stückes mit 4 Beats pro Linie in der angegebenen Notationsart.
Die Griffschrift schreibt traditionell für Bässe nur die entsprechende Nummer
(vom Knie zum Kopf gezählt), einige schreiben dennoch die Bassnamen aus, normalerweise für B-Oergeli - die Notenschrift verwendet konsequenterweise die ensprechenden relativen Buchstabenkürzungen (also 'klingend für C-Oergeli').
Die Ziffernschrift geht hier weiter - die Bassangaben erfolgen:
1. in der neuen Nummerierung der Bässe in Quintenfolge (vom Kopf zum Knie),
2. in neutraler Form, d.h. gültig für jede Oergeli-Stimmung (mit einer Zahl),
3. mit der entsprechenden Buchstabenkürzung für ein B-Oergeli (in Klammern) -
4. mit der Angabe der jeweiligen Stufe durch die entsprechende römischen Zahl.

Bild 2
zeigt die einfache Version1 und die verzierte Version2 - die Entsprechungen in den andern Notationen befinden sich auf zwei separaten Blättern:
Bilder 5 + 6 / 8 + 9.
Durch abwechslungsweises Anklicken kommen die Unterschiede zwischen den Notationsarten u/o Versionen sehr deutlich zum Vorschein.

Bild 3
enthält die komprimierte Form beider Versionen - plus eine Uebersicht zu den Stufen, die im Stück vorkommen und zu den Knöpfen, die verwendet werden (separiert nach Ziehen und Stossen).

Zum Vergrössern, Drucken etc. - auf Bilder rechtsklicken - Grafik anzeigen ...
Notation

Bildwechsel:   Ziffernschrift | 1 | | 2 | /| 3 |   Griffschrift | 4 | | 5 | +| 6 |   Notenschrift | 7 | | 8 | +| 9 |


 
  Ein zweites Beispiel: Birewegge-Polka - trad.
Ein direkter Vergleich von Ziffern-, Griff- und Notenschrift (Adaptationen)

Bild 1/2, 8/9 resp. 13/14
zeigt je das ganze Stück mit 8 Beats pro Linie in der angegebenen Notationsart - resp. die 'entrümpelte' Version (Entfernung von Redundanzen).

Bild 3/4, 10/11 resp. 15/16
präsentiert jeweils die entsprechende Begleitung: ausführlich/gekürzt.

Bild 5/6
enthält Melodie und Begleitung zusammengefasst: ausfürlich/gekürzt.

Die 'entrümpelte', gekürzte Fassung ist in Ziffernschrift ein typisches Merkmal,
setzt aber voraus, dass Gleiches auch wirklich untereinandergeschrieben wird -
bei Griff- und Notenschrift ist dies unüblich, die Beispiele zeigen aber, dass es
nicht ausgeschlossen ist so darzustellen, und dass dies eigentlich vor allem zum
schnellen Erfassen des Aufbaus von Teilen eines Stücks viel beitragen würde ...

Bild 7
zeigt Hilfszusätze zur Griffschrift, die ein Örgeli-Schüler eigenständig! entwickelt hatte - nichts anderes als Ziffernschrift mit separater Reihenzuweisung I, II, III.

Bild 12 resp. 17
zeigt in Griff- resp. Notenschrift die Analyse des Stückes - diese findet bei der Ziffernschrift auch direkt auf dem Notationsblatt noch genügend Raum (s. 1-4).
Sinnvoll ist diese Auswertung z.B.:
zum Erlernen der verschiedenen - und doch oft ähnlichen - Griffe im direkten Vergleich, in Noten auch zur Analyse von Intervallen in Akkorden,
weitergreifend zum Vergleich von Tonumfang, Akkorden, Tonarten und Stufen resp. zur Beurteilung von Qualitätsmerkmalen und zur Einstufung verschiedener Stücke in Schwierigkeitsgrade.

Notation

Ziffern | 1 || 2 | /| 3 || 4 | /| 5 || 6 | /| 7 |   Griff | 8 || 9 | /| 10 || 11 | /| 12 |   Noten | 13 || 14 | /| 15 || 16 | /| 17 |
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Die möglichen 9 Dur-Tonarten

Die Ziffernschrift ermöglicht eine sehr platzsparende Art, Tonarten und deren Leitern darzustellen.
Auf dem Standard-Schwyzerörgeli sind 9 Dur-Tonarten spielbar - identisch mit den 9 Bässen der linken Hand. Nummeriert sind sie hier entsprechend der Bassnummerierung in Quintenfolge (vom 'Kopf zum Knie') - die Reihenfolge ist also für ein B-Oergeli (Standard):

1(H)   2(Gb)   3(Db)   4(Ab)   5(Eb)   6(B)   7(F)   8(C)   9(G)

Zur Erinnerung: die Griffschrift zählt die Bässe vom Knie zum Kopf - 10 minus die Griffschrift-Bassnummer ergibt die Bassnummer für die Ziffernschrift, welche die musikalisch logischere Quintenfolge verwendet (dieselbe Rechnung funktioniert auch umgekehrt).

In der Praxis entfällt die 9. Tonart in der Regel, weil hier nur in der vierten und ersten Stufe [IV + I] gespielt werden könnte, da die wichtige fünfte Stufe [V] beim Bass fehlt:
wäre ja D für ein B-Oergeli; allerdings: ausgeschlossen ist es nicht, auch in diese Tonart zu wechseln, in der Stufe V dürfte einfach nur der Grundbass von 1(H) - resp. die Terz vom nicht vorhandenen 10(D) - gespielt werden. Ebenfalls möglich: nur die Begleitinstrumente spielen Akkord oder dessen Umkehrungen der V. Stufe dazu - oder: die Melodie ist für einmal ganz alleine ...

In der Volkmusik wird (hauptsächlich wegen des Zusammenspiels mit andern Instrumenten) die klingende resp. absolute Tonart genannt. Im Allgemeinen meint man damit eine der 9 Dur-Tonarten, wie sie auf einem B-Oergeli möglich sind, sonst muss das ganz ausdrücklich deklariert werden: z.B. 'für A-Oergeli' / 'für H-Oergeli' etc. - darunter kann man die relative [rel.] Tonart hinzufügen: diese ist dann für alle Stimmungen identisch! In dieser Tonart müsste die Partitur in klassischen Noten geschrieben werden.
In den folgenden Bildern ist deshalb zuerst das gesamte vorhandene Noten-Material in Form von Notennamen - und darunter das entsprechende Ton-Material eines B-Oergelis aufgeführt. Die Null [0] markiert den Anfang der kleinen Oktave - 1, 2 und 3 meinen entsprechend die eingestrichene ['] (ab Schlüssel-c), zweigestrichene [''] und dreigestrichene ['''] Oktave.

Mit Note ist also die relative, mit Ton die absolute Bezeichnung definiert. Eine Ziffer mit eventueller Unter- oder Überstreichung zeigt die exakte Lage eines Knopfes - eine dicke Linie (oder ein s) heisst immer Stossen (oder Druck).

Aus dem ganzen auf dem Instrument zur Verfügung stehenden Tonmaterial wurden immer nur diejenigen Knopfziffern belassen, die in der entsprechenden Dur-Tonleiter vorhanden sind.

Es wird empfohlen, die 3 Bilder auf A4-quer farbig auszudrucken. Sie erhalten damit eine praktische Übersicht der Tonarten, ihrer Dur-Tonleitern und der Stossen/Ziehen-Relationen. Darüberhinaus können aus dieser Liste ein ganze Reihe weiterer Erkenntnisse gewonnen werden: Akkorde der verschiedenen Stufen, Intervalle, moll-Tonleitern etc. etc. - dazu später ...

 
  Bilder 1-3
zeigen je 3 aufeinanderfolgende Tonarten resp. deren Dur-Tonleitern beim Ziehen und beim Stossen. Im vertikalen Vergleich ist der jeweils mögliche alternative Knopf bei umgekehrter Balgrichtung schnell ablesbar.
Mit einem Schrägstrich wurden diejenigen Leitertöne markiert, die nur bei entge-
gengesetzter Balgrichtung spielbar sind.
Ein X markiert einen theoretischen Leiterton - innerhalb des Bereiches vom tiefst- zum höchstmöglichen spielbaren Ton der entsprechenden Tonart - der aber weder beim Ziehen noch beim Stossen vorhanden ist.
Die mit einem Stern versehenen Ziffern, lassen hingegen noch eine Alternative zu, da der entsprechende Ton ohne Balgänderung auch noch auf einem andern Knopf erzeugt werden kann: 'doppelt vorhandene Töne').

Die einzelnen Töne einer Tonleiter sind oberhalb in Oktaven von 0 bis 3 gruppiert und jeweils unterhalb der Spiellinien mit Zahlen von 1 bis 7 in der gleichen relativen Art durchnummeriert, wie es möglich wäre, sie mit Do Re Mi Fa Sol La Ti do zu bezeichnen - nur würde dies mehr Platz in Anspruch nehmen (davon abgesehen, dass das 'Solfège' auch nicht überall gleich verwendet wird!).
Die Unterstreichungen zusammenhängender Teile zeigen auf einen Blick, wo Lücken in dieser so genannten diatonischen Leiter vorhanden sind, wo man auf
die umgekehrte Balgrichtung wechseln kann - oder sogar muss (zusätzlich [ - ]).

Auf einer Zwischenlinie ist ersichtlich, welche Töne/Noten nur beim Stossen [s] resp. nur beim Ziehen [z] spielbar sind. Das Gleichheitszeichen [=] zeigt, dass
hier ein gleichtöniger Knopf vorhanden ist (es also nicht darauf ankommt, ob man zieht oder stösst). Ein eventuell fehlender Leiterton erscheint auf dieser Zwischenlinie in Klammern.
Notation

Bildwechsel:   Tonarten | 1 | | 2 | | 3 
Bilder zum Vergrössern rechtsklicken - Grafik anzeigen (speichern, drucken etc.)
 
 


Wird immer wiederergänzt und erweitert - für Rückmeldungen und Anregungen bin ich Ihnen dankbar, auch auf Fragen gebe ich gerne Antwort*.

*Allerdings:
Wenn Sie Notationen (Noten, Griffschrift, System Iwan, Grifftabellen) zu einem bestimmten Stück suchen, bin ich nicht die richtige Anlaufstelle! Wenden Sie sich in diesem Fall bitte direkt an Verlage, die sich damit befassen.
Falls Sie aber von einem bestimmtes Stück Notationen haben, es in Ziffernschrift umschreiben möchten, und dazu Fragen haben - oder wenn Sie mich explizit damit beauftragen wollen - dann können Sie sich gerne direkt an mich wenden:

 
 
  Für Kommentare,
Anregungen, Kritik etc.:
SWYZERÖRGELI-NOTATION
PEO OERTLI-KASSIM
SONNENHOFSTR. 1
8952 SCHLIEREN
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